Die Turmuhr der Dorfkirche Wormlage
- Installation: Die mechanische Turmuhr wurde im Zuge des Turmneubaus zwischen 1912 und 1914 installiert.
- Dokumentationslücken: Der genaue Hersteller des historischen Uhrwerks sowie das exakte Baujahr sind in den Archivunterlagen nicht belegt.
- Regionale Verwechslung: In Berichten wird sie gelegentlich mit der Uhr der Nachbarkirche in Klettwitz verwechselt (Baujahr 1905, Firma Georg Richter, Berlin) – eine solche Urheberschaft ist für Wormlage jedoch unbewiesen.
- Bauliche Besonderheit: Die Uhr verfügt über drei großformatige Zifferblätter, die präzise nach Norden, Süden und Westen ausgerichtet sind.
- Restaurierung: Im November 2012 wurden alle drei Zifferblätter im Zuge einer Außenfassadensanierung demontiert und durch originalgetreue Rekonstruktionen ersetzt.
Historischer Kontext zur Zeitmessung
- Zeitmanipulation (1724): Wormlage wurde aktenkundig, weil die lokalen Gutsherren die öffentlichen Uhren manipulierten und verstellten, um die Frondienste der Landbevölkerung künstlich zu verlängern.
- Gegenbewegung: Ab dem 18. Jahrhundert erwarben die Einwohner zunehmend private Taschenuhren, um sich von der herrschaftlichen Zeitkontrolle unabhängig zu machen.
Baugeschichte der Kirche
- Ursprung: Die Kirche wurde 1768 als verputzter Saalbau auf den Fundamenten einer hölzernen Vorgängerkirche errichtet, wobei die alte Westwand mit massiven Strebepfeilern integriert wurde.
- Katastrophe (1912): Ein schwerer Blitzeinschlag im Sommer zerstörte den ursprünglichen hölzernen Dachreiter und beschädigte die Decke des Kirchenschiffs erheblich.
- Neubau des Westturms: Statt einer Reparatur wurde ein repräsentativer Westturm im neobarocken Stil errichtet. Entworfen von Ernst Gunschera und Richard Kehle, ausgeführt durch Maurermeister Willi Hampe für 11.600 Reichsmark. Die Grundsteinlegung erfolgte am 12. Juli 1914.
- Kriegsverluste (1917): Während des Ersten Weltkriegs musste die kleine Kirchenglocke als Metallspende für die Rüstungsindustrie abgegeben werden.
Ortsgeschichte und Umgebung
- Ersterwähnung: Wormlage wurde im Jahr 1396 erstmals urkundlich als Herrensitz erwähnt.
- Dreißigjähriger Krieg: Im Jahr 1642 verwüsteten schwedische Truppen das Dorf fast vollständig. Nur die Schenke und ein Bauernhof überstanden den Krieg; lediglich 28 arbeitsfähige Einwohner überlebten.
- Landschaftswandel: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierte ein großer natürlicher See. Durch die Entwässerung des „Lugs“ ab 1837 und den Bau des Lugkanals wurde der See 1847 vollständig abgelassen, was zu einem agrarischen Aufschwung führte.
- Bevölkerung und Arbeit (1885): Der Ort wuchs auf 518 Einwohner. Aufgrund der intensiven Feldarbeit auf dem Rittergut besuchten Schulkinder den Unterricht im Sommer in den frühen Morgenstunden.
- Rittergut und Schloss: 1917 ging das Gut an den Bergbauingenieur Dr. Hugo Gabelmann, der das Schloss modernisierte (er verunglückte 1930 tödlich im Tagebau). Das historische Schloss wurde 1949 abgerissen, um Baumaterial für Neubauernstellen zu gewinnen.
- Kriegsende (1945): Am 22. April besetzte die Rote Armee das Dorf. Zwei Wohnhäuser brannten nieder, acht Zivilisten verloren ihr Leben.
- DDR-Zeit und Moderne: 1976 gewann der in Wormlage geborene Radsportler Hans-Joachim Hartnick die Internationale Friedensfahrt. Im Jahr 2001 wurde Wormlage in die Stadt Großräschen eingegliedert. Der ehemalige herrschaftliche Pferdestall dient seit 2009 als Bürgerhaus für das Vereinsleben.
Aktuelles Dorfleben und Termine (2026)
- Infrastrukturprojekt: Für das Frühjahr 2026 ist die künstlerische Neugestaltung des markanten Trafohäuschens im Ort initiiert.
- Kirchliches Ereignis: Am 23. Mai 2026 findet in der Dorfkirche der Festgottesdienst zur Konfirmation statt.
- Kultur und Tradition: Im Juli 2026 wird das 11. Kutschentreffen im historischen Park veranstaltet. Im November folgen der traditionsreiche Ritter-Wormlitz-Lauf sowie der Martinsumzug.