Historischer Kontext und Umfeld
- Konfessioneller Wandel: Nach Einführung der Reformation im Jahr 1539 wurde das katholische Leben in Senftenberg weitgehend verdrängt.
- Industrieller Aufschwung: Der Boom des Braunkohlenbergbaus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert führte zu einem massiven Zuzug katholischer Industriearbeiter in die Lausitz.
- Städtebauliche Lage: Die Kirche St. Peter und Paul befindet sich an der Calauer Straße 1 und prägt als markanter Point of Entry das westliche Stadtbild.
- Evangelische Schwesterkirche: Die evangelische Peter-Paul-Kirche am Kirchplatz bildet das historische Zentrum. Ihr ehemals 60 Meter hoher neugotischer Turmhelm sowie die dortige Turmuhr wurden im April 1945 durch Artilleriebeschuss vollständig zerstört.
Baugeschichte der Kirche St. Peter und Paul
- Erste Strukturen (1871): Übertragung der Seelsorgevollmacht an Kaplan Spittel durch den Wittichenauer Pfarrer Schneider.
- Erster Gottesdienst (1887): Am 20. November 1887 fand unter Pfarrer Sauer der erste geregelte katholische Gottesdienst nach der Reformation im Saal des Hotels Baranius (Bahnhofstraße) statt.
- Interimskirche (1893): Weihe einer hölzernen Fachwerk-Interimskirche an der Calauer Straße am 20. Dezember 1893 aufgrund der wachsenden Gemeinde.
- Massivbau (1898): Errichtung einer massiven Backsteinkirche mit hohem Westturm an gleicher Stelle.
- Große Werkserweiterung (1924): Umbau zu einer dreischiffigen Anlage unter Einbeziehung der alten Außenwände als tragende Kolonnaden. Ergänzung eines neuen Altarraums und der markanten Turmbedachung. Grundsteinlegung am 1. Juni 1924.
- Konsekration (1925): Feierliche Weihe der erweiterten Kirche am 25. Mai 1925 durch den Breslauer Weihbischof Valentin Wojciech.
- Kriegsschäden (1945): Im Zweiten Weltkrieg wurde lediglich das linke Seitenschiff durch direkten Beschuss beschädigt und nach Kriegsende zügig repariert.
Geschichte und Technik der Turmuhr
- Glockenensemble (1920): Anschaffung eines historischen Stahlglocken-Ensembles, gegossen im Stahlwerk Torgau von der Hofmann-Lauchhammer Aktiengesellschaft.
- Installation der Uhr (1924): Im Zuge des großen Kirchenumbaus wurde 1924 die mechanische Turmuhr im Westturm installiert.
- Städtebauliche Funktion: Die im Turm integrierten Zifferblätter dienen seit ihrer Montage als unübersehbarer architektonischer Orientierungspunkt am Stadteingang.
- Heutiger Status (2026): Das historische Uhrwerk ist vollständig funktionstüchtig. Es wurde im Rahmen der jüngsten Gesamtsanierung bis in das Jahr 2026 hinein denkmalgerecht bewahrt und instand gehalten.