Baugeschichte und Architektur
- Bauzeit: Errichtung zwischen 1899 und 1900 (Grundsteinlegung im August 1899).
- Architekt: Entwurf von Gustav Reinhold Hänichen im Stil der deutschen Neorenaissance.
- Hintergrund: Ersatz für die dezentrale Verwaltung, die zuvor in privaten Wohnräumen der Gemeindevorstände stattfand.
- Besonderheiten: Repräsentativer Putzbau mit Stufengiebel, polygonalem Eckerker und einem Ratssaal mit Wandgemälden von Walter Witting sowie Glasfenstern von Josef Goller.
Die Turmuhr und der Dachreiter
- Position: Zentraler Dachreiter mit Welscher Haube auf der Mitte des Walmdaches.
- Installation: Die Uhr wurde im Jahr 1900 in Betrieb genommen (Inschrift am Giebel: „An. Dom. 1900“).
- Technik: Vermutlicher Hersteller ist die Firma Bernhard Zachariä (Leipzig), ein damals führendes Unternehmen für Turmuhren.
- Sanierung: Umfassende Instandsetzung von Dachreiter und Uhrwerk zwischen 1991 und 1996.
Historische Bedeutung und Ereignisse
- Industrieller Aufstieg: Das Gebäude markiert den Wandel Radebeuls vom Weindorf zur prosperierenden Industriestadt um 1900.
- Zweiter Weltkrieg: Im April 1945 erfolgte hier die friedliche Übergabe der Stadt an die Rote Armee durch Vermittlung von Ilja Bela Schulmann.
- Nachkriegszeit: Nutzung als Sitz der sowjetischen Stadtkommandantur bis 1948, danach Rückkehr der deutschen Verwaltung.
Städtebauliches Umfeld
- Robert-Werner-Platz: Der ehemals asphaltierte Vorplatz wurde in eine Grünanlage mit Obstwiese und Spielmöglichkeiten umgestaltet.
- Nachbarschaft: Unmittelbare Nähe zur Pestalozzischule, dem Gymnasium und den historischen Villenvierteln der Gebrüder Ziller.
- Kultureller Kontext: Das Rathaus liegt im Einzugsgebiet der Villa Shatterhand (Karl May) und der Weinberge der Lößnitz.